Dr. Martin Brunnhuber mit Quaggamuscheln aus dem Chiemsee | Bild:Dr. Brunnhuber
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17.07.2026
Dr. Martin Brunnhuber und Daniel Artmann bringen Forschungsauftrag zur Eindämmung der Quagga-Muschel auf den Weg

Die Ausbreitung der invasiven Quagga-Muschel im Chiemsee soll verlangsamt werden: Im Mittelpunkt der Initiative der beiden Chiemsee-Abgeordneten Dr. Martin Brunnhuber (Freie Wähler) und Daniel Artmann (CSU) steht künftig ein wissenschaftlich begleiteter Forschungsauftrag, der konkrete Möglichkeiten zur Eindämmung und Verlangsamung der Ausbreitung der Muschel untersuchen soll. Die Regierungsfraktionen im Bayerischen Landtag stellen hierfür im Rahmen der Fraktionsinitiativen insgesamt 60.000 Euro für ein Pilotprojekt zur Verfügung.

Die fachliche Federführung wird künftig bei der Fischereifachberatung des Bezirks Oberbayern liegen. Wissenschaftlich soll das Vorhaben unter anderem von Prof. Dr. Herwig Stibor, Professor für Aquatische Ökologie und Leiter der Limnologischen Forschungsstation Seeon der LMU München, begleitet werden.

„Wir werden die Quagga-Muschel nicht vollständig zurückdrängen oder gar ausrotten können. Entscheidend ist jetzt, ihre weitere Ausbreitung einzudämmen und zu verlangsamen. Dafür brauchen wir belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse und gezielte Forschung, die wir nun auf den Weg bringen“, betont Dr. Martin Brunnhuber.

Daniel Artmann ergänzt: „Der Chiemsee ist nicht nur eines der bedeutendsten Natur- und Erholungsgebiete Bayerns, sondern auch Lebensgrundlage für die Berufsfischer und viele Menschen in der Region. Deshalb müssen wir jetzt entschlossen handeln und die wissenschaftlichen Voraussetzungen schaffen, um die Folgen der Ausbreitung möglichst zu begrenzen.“

Die Quagga-Muschel stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und breitet sich seit einigen Jahren zunehmend in bayerischen Gewässern aus. Anders als viele heimische Muschelarten besiedelt sie nicht nur harte Untergründe, sondern auch sandige und schlammige Flächen. Aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit kann sie sich selbst in größeren Tiefen und bei niedrigen Wassertemperaturen vermehren.

Besonders problematisch ist ihre enorme Vermehrungsrate: Ein einziges Weibchen kann jährlich bis zu einer Million Larven produzieren. Gleichzeitig filtert jede Muschel täglich etwa einen Liter Wasser und entzieht dem Ökosystem große Mengen an Plankton und Nährstoffen. Dadurch geraten Nahrungsketten unter Druck, von denen zahlreiche Fischarten – insbesondere die für den Chiemsee wirtschaftlich bedeutende Renke – abhängig sind.

Neben den ökologischen Folgen verursacht die Quagga-Muschel erhebliche wirtschaftliche Schäden. Fischereigeräte, Wasserentnahmestellen und technische Anlagen werden zunehmend beeinträchtigt. Berufsfischer berichten bereits von massiv erhöhtem Aufwand durch den starken Muschelbewuchs an Netzen und Reusen.

Neben der Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit liegt ein Schwerpunkt der bereitgestellten Fördermittel vor allem auf der wissenschaftlichen Begleitung und Forschung. Im Mittelpunkt des Pilotprojekts stehen die systematische Erfassung der Ausbreitung der Quagga-Muschel im Chiemsee sowie die Entwicklung und Erprobung geeigneter Maßnahmen, um ihre weitere Ausbreitung einzudämmen und zu verlangsamen. Geplant ist unter anderem die Anschaffung moderner Messtechnik, um belastbare Datengrundlagen für zukünftige Schutzmaßnahmen zu schaffen.

Flankierend dazu sollen die Information und die Sensibilisierung der Öffentlichkeit verbessert werden. Mit Informationskampagnen und Hinweisen an stark frequentierten Einstiegsstellen für Wassersportler sollen insbesondere Touristen und Seenutzer für die Risiken der Verschleppung der invasiven Muschelart sensibilisiert und zu präventivem Verhalten angehalten werden.

Wir betreten in vielerlei Hinsicht wissenschaftliches Neuland. Gerade deshalb müssen Forschung, Fischerei, Naturschutz, Kommunen und die Seenutzer eng zusammenarbeiten, um praktikable Lösungen für den Schutz unserer Gewässer zu entwickeln“, sind sich Brunnhuber und Artmann einig.

Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Modellvorhaben für ganz Bayern. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig auch anderen Seen zugutekommen, die bereits von der Quagga-Muschel betroffen sind oder künftig betroffen sein könnten. Forschung und Aufklärung stehen deshalb gleichermaßen im Mittelpunkt der Initiative.