vlnr: Martin Haupt (Fachbereichsleiter 32 Umwelt), Daniela Kronawitter (Geschäftsbereichsleiterin 3 Bauen und Umwelt), Landrat Michael Koller, MdL Dr. Martin Brunnhuber, Matthias Kringer (Fachbereichsleiter 33 Naturschutz und Jagdwesen), Stefanie Gallinger (Fachkraft Fachbereich 33) | Bild:LRA BGL

05.10.2026
Quagga-Muschel: Alarmstufe für den Königssee? Dr. Brunnhuber, Landrat Koller und Dr. Bayer wollen einzigartiges Ökosystem schützen

Berchtesgadener Land. Ist die Quagga-Muschel bereits im Königssee angekommen – oder kann ihre Einschleppung noch verhindert werden? Diese Frage beschäftigt den Landtagsabgeordneten Dr. Martin Brunnhuber, Landrat Michael Koller und Dr. Roland Bayer, Leiter der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden. Sie machen sich seit geraumer Zeit Sorgen um das einzigartige Ökosystem des Königssees.

Bei einem Fachgespräch wurde deshalb beraten, welche Möglichkeiten bestehen, den Königssee vor der invasiven Muschel zu schützen. Denn eines ist klar: Wenn die Quagga-Muschel erst einmal dauerhaft Fuß gefasst hat, sind die Folgen kaum noch rückgängig zu machen.

Die Quagga-Muschel breitet sich in bayerischen Seen zunehmend aus. Sie kann sich nahezu ganzjährig vermehren und wird vor allem auch durch den Menschen verbreitet – etwa über Boote, SUP-Boards, Trailer, Anker oder Angelausrüstung. Genau deshalb gilt es, eine Einschleppung in besonders sensible Gewässer möglichst zu verhindern.

Für Dr. Martin Brunnhuber steht deshalb die Vorsorge im Mittelpunkt: „Wir müssen jetzt handeln und dürfen nicht warten, bis wir irgendwann feststellen, dass die Quagga-Muschel bereits im Königssee ist. Dann könnte es zu spät sein. Der Königssee ist kein beliebiger See – wir tragen eine besondere Verantwortung für dieses einzigartige Ökosystem.“

Dabei geht es um weit mehr als den Schutz eines schönen Landschaftsbildes. Der Königssee beherbergt eine außergewöhnliche Fischfauna. Besonders gefährdet wäre der Schwarzreiter – eine Saiblingsart, deren natürliches Vorkommen weltweit auf den Königssee beschränkt ist. Auch Seesaibling, Renke und Seeforelle gehören zu den charakteristischen Fischarten des Sees.

Die Quagga-Muschel verändert die Nahrungskette eines Sees grundlegend, zum Schaden der vorkommenden Fischarten. Gerade für ein nährstoffarmes und besonders sensibles Gewässer wie den Königssee wäre eine solche Entwicklung von erheblicher Bedeutung.

Dr. Brunnhuber beschäftigt das Thema deshalb nicht erst seit dem aktuellen Gespräch. Er hat bereits seit längerem Initiativen im Bayerischen Landtag angestoßen, um die Auswirkungen der Quagga-Muschel wissenschaftlich besser zu erfassen und ihre weitere Ausbreitung einzudämmen.

Dabei steht er nach eigenen Angaben auch im Austausch mit den Fischereiverbänden und der Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern. Ziel ist es, Mittel für Forschung, Monitoring und gezielte Aufklärungskampagnen bereitzustellen.

„Wir brauchen belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse und gleichzeitig mehr Bewusstsein dafür, wie schnell die Muschel von einem Gewässer ins nächste verschleppt werden kann. Forschung und Aufklärung gehören deshalb zusammen“, so Brunnhuber.

Der aktuelle Ansatz ist die Frage, ob die bislang nicht vollständig vom Nationalpark erfassten Bereiche des Königssees künftig ebenfalls unter einen umfassenderen Schutz gestellt werden können.

Damit könnte insbesondere die Nutzung bestimmter Schwimmgeräte wie SUPs leichter eingeschränkt oder ausgeschlossen werden. Eine solche Maßnahme wäre politisch und rechtlich abzuwägen – sie soll aber geprüft werden, bevor möglicherweise unumkehrbare Schäden entstehen. Eine Einbeziehung weiterer Seeflächen in den Nationalpark ist deshalb eine der Möglichkeiten, die nun mit dem Umweltministerium und der Nationalparkverwaltung weiter betrachtet werden sollen.

Landrat Michael Koller und Dr. Roland Bayer teilen die Sorge um den Schutz des Königssees. Für alle Beteiligten steht dabei die Frage im Vordergrund, ob und wie dieses außergewöhnliche Gewässer dauerhaft vor der invasiven Art bewahrt werden kann.

Brunnhuber: „Wir müssen jetzt alle Möglichkeiten prüfen. Beim Königssee geht es um ein Ökosystem, das über Jahrhunderte gewachsen ist und das wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen dürfen. Vorbeugen ist hier der entscheidende Schutz. Es bleibt zu hoffen, dass die Muschel nicht schon im Königsee ist“.